Der diesjährige 1. Mai in Kreuzberg war für die anwesende Polizei sehr problematisch, die Eindämmung der Ausschreitungen der letzten Jahre hat sich 2009 nicht fortgesetzt, im Gegenteil. Dabei wurde auch eine junge Frau von einem Molotov-Cocktail verletzt. Yunus und Rigo sind die Tatverdächtigen, die seit Mai in Untersuchungshaft sitzen und deren Prozess seit September läuft. Ihnen wird versuchter Mord vorgeworfen. Die Anklage stützt sich vor allem auf zwei Zivilpolizisten, die die beiden festgenommen haben. Die verstricken sich aber immer mehr in Widersprüchlichkeiten, es gibt Entlastungszeugen usw. – aber das Gericht hebt trotzdem die Untersuchungshaft nicht auf. Zu groß wäre das Fluchtrisiko, obwohl beide fest in ihre familiären Strukturen eingebunden sind und sogar in der Haft ihren MSA bzw. ihr Abi gemacht haben. Prinzipiell mag die Richterin den Polizisten aber mehr Glauben schenken als den Entlastungszeugen. Dabei kommen die Beiden nichtmal aus einem politisch radikalen Umfeld, sondern wollten nur zum MyFest.
Das erschreckt mich immer wieder. Nicht nur, dass der Prozess sich weit in die Länge zieht und, wohl über den Eventualvorsatz konstruiert, den Angeklagten versuchter Mord vorgeworfen wird, sie werden, obwohl alle sozialen Umstände für sie sprechen, weiter in Untersuchungshaft gehalten. Was 7 Monate Haft mit einem machen, möchte ich nicht wissen. Soweit ich gehört habe, sind die beiden ziemlich am Ende. Und so wie es aussieht, werden sie die Weihnachtszeit hinter Gittern verbringen müssen.
Tja, und das nur, weil die Politik ein hartes Umgehen mit den Mai-Tätern gefordert hat? Werden Rechtsstaatlichkeit, Unschuldsvermutung und Menschenleben einfach mal so zur Nebensache erklärt? Die Prozessberichte sprechen ihre eigene Sprache.